Bild von Studenten und Professoren
English | Impressum | Kontakt | Hilfe | Suche |  

Im Brennpunkt: Kleine Fächer


1. Einführung
Die sog. "Kleinen Fächer" stellen ein besonders wertvolles Merkmal der deutschen Universitätslandschaft dar (zur Definition des Begriffs "Kleine Fächer" siehe die Publikation "Die Kleinen Fächer an den deutschen Universitäten", S. 7-10). Diese Fächer, deren reiche Tradition mit Quellensammlungen, Lexika, Fachzeitschriften und -gesellschaften oft bis ins frühe 19. Jahrundert zurückreicht, sind in Deutschland mehr als in jedem anderen Land vertreten. Mit ihrem breiten Spektrum, dessen Vielfalt so unterschiedliche Disziplinen wie Albanologie und Byzantinistik sowie Mineralogie und Papyrologie umfasst, prägen die Kleinen Fächer das Profil vieler deutscher Universitäten und tragen aufgrund herausragender Leistungen in Forschung, Lehre, Ausbildung und Wissenstransfer zu deren Renommee und internationaler Wettbewerbsfähigkeit bei.
Allerdings sind die Kleinen Fächer gegenwärtig bedrohlichen Entwicklungen ausgesetzt. Bei knapper werdenden öffentlichen Mitteln und der Notwendigkeit, besonders im Rahmen des Bologna-Prozesses Lehrkapazitäten aus früher eigenständigen fachlichen Einheiten zu bündeln, sehen sich die Universitäten gezwungen, Prioritäten und Posterioritäten zu setzen, von denen oft die Kleinen Fächer nachteilig betroffen sind. Da sich derartige Prioritätensetzungen im Rahmen des Profilbildungsprozesses an den Hochschulen vielfach parallel und ohne überregionale Koordination vollziehen, verschärft sich die Gefährdung der Kleinen Fächer bundesweit.
Deshalb haben sich einige wissenschaftspolitische Organisationen in den letzten Jahren des Themas "Kleine Fächer" verstärkt angenommen. Bereits im Jahr 2000 forderte die Senatskommission für Kulturwissenschaften der DFG von den Kleinen Fächern, stärker mit anderen Fächern zu kooperieren (mehr). Der Wissenschaftsrat behandelte 2006 die Kleinen Fächer zunächst im Rahmen der Geisteswissenschaften (mehr), bevor er sie im selben Jahr ins Zentrum seiner Empfehlungen zu den Regionalstudien stellte (mehr). Das Spektrum der regionenbezogenen Fächer müsse in Deutschland aufrechterhalten und strukturell gestärkt werden. Der lokalen Aufsplitterung der Fächer sei durch Gründung nationaler Zentren (für ein Fach) und interdisziplinärer Zentren für Area Studies (an den Universitäten) am besten entgegenzutreten. Zwei Jahre später verlangte der Philosophische Fakultätentag eine bessere Profilierung der Kleinen Fächer nach innen und außen und warnte vor den Risiken des Bologna-Prozesses für diese Fächer (mehr). Der Abschlussbericht des Evaluationsverfahrens "Sprachen und Kulturen ausgewählter Epochen und Regionen" in Nordrhein-Westfalen aus demselben Jahr hob die Forschungsleistungen der Kleinen Fächer hervor und wies vor allem auf die ungenügende Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses hin (mehr).
Auch die HRK befasste im selben Zeitraum sich intensiv mit den Kleinen Fächern. Im Februar 2007 hat sie eine Empfehlung zur Situation der Kleinen Fächer veröffentlicht (siehe unten, Abschnitt 2). Anschließend hat sie mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ein Erhebungs- und Kartierungsprojekt beauftragt, das von der Arbeitsstelle Kleine Fächer an der Universität Potsdam durchgeführt wird (siehe unten, Abschnitte 3 und 4).

2. HRK-Empfehlung zur Zukunft der Kleinen Fächer (Februar 2007)
Die Senats-Empfehlung vom 13. Februar 2007 enthielt folgende Hauptaussagen:
a) Die Kleinen Fächer sind wissenschaftlich insgesamt sehr leistungsfähig und tragen wesentlich zum wissenschaftlichen Profil und zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit jener Hochschulen bei, in deren Disziplinenspektrum sie vertreten sind.
b) Um ihre Potenziale und ihre Präsenz in Deutschland langfristig zu sichern und zu stärken, müssen den Kleinen Fächern adäquate Arbeitsbedingungen zur Verfügung gestellt werden (bewusste Schwerpunktsetzung im Spektrum der Disziplinen am Standort, entsprechendes fachliches Umfeld mit Kooperationsmöglichkeiten in Lehre und Forschung auf lokaler und überregionaler Ebene, eine den Aufgaben angemessene Personalausstattung und -struktur sowie ausreichende finanzielle Ressourcen).
c) Die Kleinen Fächer müssen an der Entwicklung eigener, ihnen spezifischer Kriterien für die Mittelzuweisung aktiv mitarbeiten, um nicht durch Anwendung der üblichen Kriterien der Mittelzuweisung (z.B. Zahl der Studierenden) unangemessen eingeschränkt und beschädigt zu werden. Sie müssen durch Gewährleistung hoher Qualitätsstandards in Forschung, Lehre, Ausbildung und Wissenstransfer ihren Beitrag zur nachhaltigen Verankerung im deutschen Hochschulsystem leisten.
d) Als konkrete Fördermaßnahmen werden eine Bestandsaufnahme (Kartierung) der Kleinen Fächer, die Einrichtung einer Service-Stelle zur Unterstützung und Koordinierung von Planungsentscheidungen und eine Förderinitiative in Gestalt eines qualitätsorientierten Wettbewerbs empfohlen.

Volltext

3. Projekt "Kartierung der Kleinen Fächer"/1. Phase (2007/2008)
Die Arbeitsstelle Kleine Fächer an der Universität Potsdam unter Leitung von Prof. Dr. Norbert P. Franz hat für ca. 110 Kleine Fächer je eine Tabelle mit wichtigen Standortmerkmalen (Name von Fach und Institut, Zahl der unbefristeten Professuren in 1987, 1997 und 2007) erarbeitet und die Ergebnisse anhand von Deutschlandkarten illustriert, in die die Standorte des jeweiligen Kleinen Faches eingetragen worden sind. Damit ist eine erste Evidenz über die Entwicklung der Kleinen Fächer in den zurückliegenden 20 Jahren geliefert worden. Im einleitenden Kapitel "Grundsatzfragen und Methodik" wurde in Fragen der Definition des Begriffs "Kleine Fächer" eingeführt und die Methodik der Untersuchung erläutert.     

Volltext
Publikation im Printformat kostenlos bestellen

4. Projekt "Kartierung der Kleinen Fächer"/2. Phase (2009-2012)
Das aktuell laufende Projekt wird wieder mit Mittel des BMBF realisiert und von der Arbeitsstelle Kleine Fächer der Universität Potsdam durchgeführt. Es verfolgt das Ziel, die Informationen über die Situation der Kleinen Fächer weiter zu vertiefen. Neben der Erweiterung der Standortinformationen um weitere Parameter sollen insbesondere die von den Kleinen Fächern angebotenen Studiengänge analysiert und daraus Schlüsse auf die Situation der Kleinen Fächer gezogen werden. Die Ergebnisse werden in einer Datenbank laufend aktualisiert, die in eine Projekthomepage eingebunden ist.  

5. Weitere Links

6. Kontakt

Bitte richten Sie Informationen zur Situation Kleiner Fächer an den einzelnen Standorten an: 
Arbeitsstelle Kleine Fächer an der Universität Potsdam
Prof. Dr. Norbert P. Franz/Projektleiter
Dr. Katrin Berwanger/Projektmitarbeiterin
Universität Potsdam
Am Neuen Palais, Haus 01, Raum 2.07
Tel.: 0331-977-1758
Email: kleinefaecher[at]uni-potsdam.de
Web: www.kleinefaecher.de

HRK:
Dr. Ulrich Meyer-Doerpinghaus
Projektleiter Kleine Fächer
Tel. 0228/887-150
meyer[at]hrk.de

 


 












Hochschulkompass