
Frauen sind in Entscheidungs- und Führungspositionen an Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Deutschland noch immer dramatisch unterrepräsentiert. Mit einem Professorinnenanteil von lediglich zehn Prozent bildet Deutschland das Schlusslicht in der Europäischen Union. Dies steht im krassen Widerspruch zu einem Absolventinnenanteil von 45 Prozent und einem Doktorandinnenanteil von 33 Prozent. Auf diesen Missstand haben Politik, Hochschulen und Forschungseinrichtungen bereits mit Maßnahmen zum umfassenden Gender Mainstreaming, durch besondere Frauenförderungsprogramme und weitere gleichstellungspolitische Regelungen reagiert. Neben den nationalen Bemühungen kommen zahlreiche Impulse auch von der Europäischen Union, die die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Wissenschaft als integrativen Bestandteil des Europäischen Hochschul- und Forschungsraumes sieht.
Eine zukunftsorientierte Gesellschafts- und Hochschulpolitik muss die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Frauen in der Wissenschaft und Forschung in allen Bereichen gleichberechtigt vertreten sind. Aus der Sicht der einzelnen Wissenschaftlerin geht es dabei um nicht weniger als die Verwirklichung eines Grundrechtes. Aus der Sicht von Wissenschaft und Forschung geht es aber auch darum, originäre Beiträge von Frauen in der Wissenschaft anzuerkennen und ihre Potenziale besser als bisher zu nutzen.
Um den gleichberechtigten Zugang beider Geschlechter zu allen Positionen in der Wissenschaft und Forschung zu ermöglichen, bedarf es keiner schematischen Quotenregelung für Männer und Frauen. Stattdessen müssen individuelle Lebensentwürfe und berufliche Entwicklungsperspektiven in Wissenschaft und Forschung gleichgewichtet und miteinander in Einklang gebracht werden können.
Sichtbare und unsichtbare Hindernisse in Vorschriften, aber auch in den Köpfen, gilt es zu überwinden und strukturelle Benachteiligung zu beseitigen. Vor allem gilt es eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf wirklich zu ermöglichen, um auch in Wissenschaft und Forschung das zu erreichen, was uns das Grundgesetz seit über 50 Jahren als gesellschaftliche Gestaltungsaufgabe zuweist.
Die Jahresversammlung der Hochschulrektorenkonferenz sollte als Forum dienen, die Lage zu diagnostizieren, über Erreichtes und Mögliches zu diskutieren, den Vergleich mit Europa und darüber hinaus zu suchen und zukunftsorientierte Lösungsansätze aufzuzeigen.
Programm [113 kb] - Es gilt das gesprochene Wort -
Professor Dr. Achim Mehlhorn - Rektor der TU Dresden [33 kb]
Professor Dr. Klaus Landfried - Präsident der Hochschulrektorenkonferenz [33 kb]
Edelgard Bulmahn - Bundesministerin für Bildung und Forschung [81 kb]
Professor Dr. Dagmar Schipanski - Vizepräsidentin der Kultusministerkonferenz [30 kb]
Ingolf Roßberg - Oberbürgermeister der Stadt Dresden [42 kb]
Philippe Busquin - Kommissar für Forschung bei der Europäischen Kommission [24 kb]