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Quo vadis Promotion? Doktorandenausbildung in Deutschland im Spiegel internationaler Erfahrungen


19./20. Juni 2006, Bonn

Eine Veranstaltung von Service-Stelle Bologna und Projekt Qualitätssicherung

Bei dieser von der Service-Stelle Bologna und dem Projekt Qualitätssicherung gemeinsam veranstalteten Tagung trafen sich am 19. und 20. Juni Experten aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Wissenschaftsverbänden und Ministerien, um über die Gestaltung der Promotionsphase in Deutschland auch anhand internationaler Beispiele zu diskutieren. Begleitet wurde die Tagung durch die Präsentation von 14 Postern, auf denen Hochschulen unterschiedliche Modelle des Promotionsstudiums darstellten.

Dr. Andreas C. Frijdal, European University Institute, Florenz, belegte in seinem Vortrag durch internationales Zahlenmaterial nicht nur, dass die Größe eines Instituts mit der Qualität seiner wissenschaftlichen Ergebnisse korreliert, sondern auch, dass die politisch geforderte Promotionsdauer von unter vier Jahren nur schwer zu verwirklichen sein wird. Des weiteren strich er die Qualität der Betreuung sowie die Verantwortung der Betreuer für den erfolgreichen Abschluss eines Promotionsprojektes heraus.

Über den Aufbau strukturierter Promotionsprogramme in der Schweiz berichtete der Rektor der ETH Zürich, Professor Konrad Osterwalder. Seit 2003 seien diese Programme überwiegend in der französischsprachigen Schweiz entwickelt worden. Sie seien durch Kurse, Seminare und Treffen strukturiert und fokussiert auf die Vertiefung der wissenschaftlichen Kenntnisse, die methodologische Perfektionierung und den Erwerb von transversalen Kenntnissen. Noch sei die Teilnahme an solchen Programmen freigestellt, die schweizerische Rektorenkonferenz wünsche jedoch, sie mittels eines Beschlusses der schweizerischen Universitätskonferenz verbindlich zu machen.

Professor Bernard Morley vom Imperial College, London, schilderte die Strukturen der Graduate Schools an seiner Einrichtung: dort gehört neben fachlicher und fachübergreifender Ausbildung die intensive Betreuung der Doktoranden zu den wesentlichen Elementen der Qualitätssicherung in der Promotionsphase. Inter- und multidisziplinäre Ausbildung, in die auch das Royal College of Arts einbezogen ist, ergänzt neben den „transferable skills“ die grundlegende fachgebundene Forschungstätigkeit.

Die kurze Vorstellung der von den Hochschulen präsentierten Poster und die intensive Diskussion der auf ihnen vorgestellten Modelle für die Promotionsphase füllten den Rest des Nachmittages aus.

Den inhaltlichen Abschluss des ersten Tages bildete die Dinner Speech des Generalsekretärs der Volkswagenstiftung, Dr. Wilhelm Krull. Als Eckpunkte für die weitere Entwicklung der Promotionsphase benannte er klare und belastbare Anforderungen an die Promovierenden, die Vorbereitung auf verschiedene Arten von Tätigkeiten auch außerhalb der Universität, ein Gleichgewicht zwischen Spezialisierung und Interdisziplinarität, eine frühere Selbstständigkeit und das Bemühen um die Steigerung des Frauenanteils bei den Promovierenden.

Am zweiten Tag der Konferenz wurden einzelne Aspekte der Promotionsphase thematisiert. Die Ergebnisse der sechs Workshops zu Auswahlverfahren und Zulassung, Betreuungs- und Beurteilungsstrukturen, Qualifikationen und Schlüsselqualifikationen, Qualitätssicherung, Internationaler Zusammenarbeit und rechtlicher und sozialer Situation von Doktoranden wurden dem Plenum präsentiert.

In der abschließenden von Dr. Christiane Ebel-Gabriel (Generalsekretärin der HRK) moderierten Podiumsdiskussion, an der Dr. Sandra Bohlinger (Vorstandsmitglied der EURODOC), Professor Wolfgang Hess (Prorektor der Universität Bonn), Professor Helmut Schwarz (Vizepräsident der DFG) und Professor Strohschneider (Vorsitzender des Wissenschaftsrats) teilnahmen, wurde deutlich, dass in Deutschland die Einordnung der Promotionsphase als Dritter Zyklus nach Bachelor und Master nicht unumstritten ist. Es sei ein zentrales Anliegen der Wissenschaft, dass eine individuelle eigenständige Forschungsleistung das Kennzeichen der Promotion bleiben müsse, zusätzlich könnten die Promovierenden in strukturierten, nicht verschulten Programmen forschungs- und berufsrelevante Schlüsselqualifikationen erwerben.

HRK-Pressemitteilung

Programm

Einführung:

Prof. Dr. Margret Wintermantel: Begrüßung und Einführung
MinDirig Peter Greisler: Forschungspolitisches Statement

Hauptvorträge:

Dr. Andreas C, Frijdal:
"Doktorandenausbildung in Deutschland vor dem Hintergrund internationaler Entwicklungen"

Prof. Dr. Konrad Osterwalder:
"Aufbau strukturierter Promotionsprogramme in der Schweiz"

Prof. Bernard J. Morley:
"Qualitätssicherung an englischen Graduate Schools"

Referate in den Arbeitsgruppen:

AG "Auswahlverfahren und Zulassung"
Dr. Beate Scholz
Prof. Dr. Rainer Kree
Moderation: Dr. Nina Arnhold

AG "Betreuungs- und Beurteilungsstrukturen"
Dr. Ulrike Senger
Prof. Dr. Hans-Jochen Schiewer
Moderation: Dr. Mathias Petzold

AG "Qualifikationen und Schlüsselqualifikationen"
Dr. Andreas Barz
Dr. Stephan Schröder-Köhne
Moderation: PD Dr. Helmut Brentel

AG "Qualitätssicherung - nationale und europäische Aspekte"
Hermann Reuke
Prof. em. Eric Evans
Moderation: Prof. Dr. Stefan Hornbostel

AG "Internationale Zusammenarbeit"
Prof. Dr. Paul Geyer
Dr. Priya Bondre-Beil
Prof. Dr. Joachim Hilgert
Moderation: Stefan Geifes

AG "Rechtliche und soziale Situation von Doktoranden"
Johannes Moes
Annette Knaut
Thomas May
Moderation: Ralf Alberding

Poster:

DAAD
Humboldt-Universität Berlin
Ruhr-Universität Bochum
Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main
Justus-Liebig-Universität Gießen
Georg August Universität Göttingen
Universität Hamburg
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Universität Kassel
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Universität Konstanz
Universität Leipzig
Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
Universität Osnabrück
Universität Paderborn
Universität Potsdam
Universität Rostock
Universität des Saarlandes
Universität Stuttgart


Fotos 19.6.2006
Fotos 20.6.2006